Noweda Spiegel 04 / 2016 - page 17

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JULI/AUGUST 2016 · REISEN UND ERLEBEN
Aber die Seenplatte hätte nicht ihren bezeichnenden
Namen, wenn es nicht die meisten Gäste am Ende doch,
Golf hin, Wellness her, aufs Wasser zöge. Und auch dafür
gibt es viele individuelle Möglichkeiten, den Urlaub zu
gestalten – allem voran die Fahrt mit dem Hausboot.
Angebote dafür gibt es nach jedem Geschmack. Auf einem
„Lütt Hütt“ ist man absolut umweltfreundlich und nach-
haltig per Tretboot und mit Schaufelrädern unterwegs.
In einer abschließbaren Kajüte, in der man auch über-
nachten kann, ist das Gepäck sicher verstaut: Das sind
Sommerferien auf die gute, alte Art! Ein bisschen mehr
Platz und auch die Annehmlichkeiten von fließendem
Wasser, Spüle und Toilette an Bord gibt es im Voyager
860, einem Motorboot, das auch ohne speziellen Führer-
schein gelenkt werden darf.
Viele andere Varianten sind
bei den zahlreichen Bootsver-
leihern vor Ort zu haben, die
bei Bedarf auch eine Einwei-
sung in die Handhabung der
Wasserfahrzeuge geben. Da
die meisten Seen irgendwie,
sei es natürlich oder über
Kanäle, miteinander ver-
bunden sind, kann man auf
diese Weise sehr weit ge-
langen. Man sollte nur die
Karte im Blick behalten, um
zu wissen, welche Richtung
man gerade ansteuert!
Kultur in malerischer Kulisse
Wenn dann der fahrbare Untersatz aufs Ufer hoch-
gezogen ist oder sicher im Hafen angedockt wurde, ist
die Zeit für einen Landgang gekommen. Von malerisch
bis mondän gibt es in Mecklenburg-Vorpommern rund
um die Seen einiges zu entdecken. Eine umfangreiche
naturhistorische Sammlung, deren Anfänge auf das Jahr
1866 zurückgehen, ist im „Müritzeum“ im Ort Waren
untergebracht. Unter dem Motto „Ein Schatz, der Wissen
schafft“ werden hier naturkundliche Sammlungen, die
der Forschungsreisende und Dichter Hermann von
Maltzan Mitte des 19. Jahrhunderts zusammengetragen
hat, und moderne Elemente so kombiniert, dass ein
Naturerlebniszentrum rund um Zoologie, Botanik und
Geologie entstanden ist.
Aber auch im klassisch-kulturellen Bereich finden sich
zahlreiche Sehenswürdigkeiten rund um die 1 000 Seen.
Eine Stadt, die um ihrer vier spätgotischen Stadttore
willen besucht werden sollte, ist Neubrandenburg. Das
Friedländer Tor, das Stargarder Tor, das Treptower Tor
und das Neue Tor bilden ein Ensemble, das als eines
der beeindruckendsten erhaltenen Beispiele für die
Backsteingotik steht, die vor allem in Norddeutschland,
aber auch zum Beispiel in den Niederlanden ihre Blüte
hatte. Ebenso bemerkenswert, wenn auch ganz anders
im Stadtbild, ist Neustrelitz, das um 1730 auf Wunsch
des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz entstand – nach
einem präzisen Plan, wie ein Blick auf die Straßenkarte
schnell verrät: Im Zentrum steht der Marktplatz, vom dem
in strahlenförmiger Symmetrie acht Straßen abgehen.
Spätbarock und Jugendstil sind die prägnanten Merkmale
der Fassaden, die diesem Ort seinen besonderen Reiz
verleihen. Eine Ikone ihrer Zeit, die von hier stammt, ist
übrigens die beliebte Preußenkönigin Luise, auf deren
Spuren man in Neustrelitz zum Beispiel den Schlossgarten
durchwandern kann. Der Herrschaftssitz selbst wurde
im Krieg zerstört, aber die klassizistische Orangerie gibt
bis heute Zeugnis vom Stilbewusstsein der Mecklenburg-
Strelitz’schen Herzöge.
Friedländer Tor in Neubrandenburg
Stargarder Tor
oben: Treptower Tor; unten: Neues Tor
NaturErlebnisZentrum Müritzeum
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