Noweda Spiegel 04 / 2016 - page 20

20 REISEN UND ERLEBEN · JULI/AUGUST 2016
Das kleinste Hotel der Welt
Ein echtes Kleinod für Reisende, die sich etwas Beson-
deres gönnen möchten, ist das „Eh’häusl“, mit etwa
20 Quadratmetern Grundfläche das vermutlich kleinste
Hotel der Welt. Sein vergleichsweise hoher Über-
nachtungspreis von 240 Euro für zwei Personen ist
nicht stellvertretend für oberpfälzische Verhältnisse,
aber dafür gibt es gute Gründe. Die Ausstattung des
2008 sanierten, 1728 errichteten Hauses ist luxuriös, die
Atmosphäre intim – denn wer hier absteigt, mietet nicht
nur ein Zimmer, sondern gleich das ganze Haus. Hinzu
kommt eine außergewöhnliche Geschichte. Das Eh’häusl,
das nur 2,5 Meter breit ist, war im frühen 18. Jahrhundert
ein Geschäftsmodell. Wer heiraten wollte, musste zu-
nächst Grundbesitz nachweisen. Ein Kaufmann errichtete
des winzige Haus, das fortan von einer Hand in die
nächste ging: Wer keinen eigenen Grundbesitz hatte,
aber heiraten wollte, erwarb es, ließ sich trauen und
verkaufte das Haus anschließend wieder.
Kulinarisch, deftig und gastlich
In den malerischen Landschaften der Oberpfalz finden
sich überall Orte und Dörfer, in denen zünftige Lokale
mit guter Küche an die lokalen Metzgereien ange-
schlossen sind. Hier kommt deftige Hausmannskost
auf den Tisch – ganz so, wie man sich die Jausenzeit
während des Radfahrens oder Wanderns eben vorstellt.
Zum Beispiel im verträumten Weigendorf, wo man bei
Familie Bayer einkehren kann, die im Haus „Zur Traube“
Gasthof, Pension und Metzgerei unter einem Dach
verbindet.
Oder im 3-Sterne-Haus „Zum Weißen Schwan“, Familien-
betrieb mit Geschichte seit 1859, idyllisch in Windisch-
eschenbach im Waldnaabtal gelegen. Zur bäuerlichen
Küche gibt es hier im Ausschank einen regionalen
Tropfen, nämlich das Zoiglbier, das vom Chef des Hauses
selbst im Kommunbrauhaus am Ort gebraut wird.
Biertor in Cham
Oberpfalz
Damit sind wir bereits bei einer weiteren Spezialität der
Oberpfalz: Biere unterschiedlichster Art aus zahlreichen
größeren und kleineren Brauhäusern. Ober- und unter-
gäriges Bier, helles, dunkles, Voll-, Stark- und Zoiglbier
sind hier zu Hause. Eine Besichtigung ist zum Beispiel in
der Familienbrauerei Jacob am Bodenwöhrer Hammersee
möglich. Schon 1758 wurde hier der Betrieb aufge-
nommen, nachdem die Arbeiter des Hüttenwerks
Bodenwöhr den Kurfürsten Karl Albrecht um die
Errichtung eines Brauhauses gebeten hatten. Seit 1884
ist das Unternehmen im Besitz der Familie Jacob, die
auch heute noch seine Geschicke bestimmt. Die perfekte
Lage direkt am See hat man sich gastronomisch zunutze
gemacht: Heute gibt es hier auch ein hübsches Hotel und
ein Gasthaus. Dieses ist mit holzgetäfelten Wänden und
rustikalen Querbalken unter der Decke ein gemütlicher
Ort, an dem traditionelle Speisen aus regionalen Zutaten
angeboten werden.
Ein Novum in der Branche ist hingegen die Brauerei
Eismann in Altenstadt a. d. Waldnaab. Hier braut –
auf kleiner Fläche, aber strikt nach deutschem Reinheits-
gebot – Familie Eismann seit 2006 und erhielt dafür
in diesem Jahr sogar die Auszeichnung, das
beliebteste Bier der Region herzustellen.
Die Oberpfalz ist eben immer für
eine Überraschung gut.
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