Mittwoch, 04. Oktober 2017 14:50 Uhr

Apotheker klagen erneut gegen DocMorris

Im Juni dieses Jahres entschied das Landgericht Mosbach zugunsten dreier Apotheker, die mit Unterstützung der apothekereigenen Genossenschaft NOWEDA wegen Verstößen gegen das Apothekengesetz, das Arzneimittelgesetz und die Apothekenbetriebsordnung rechtliche Schritte gegen DocMorris eingeleitet hatten: Der niederländische Arzneimittelversender hatte in der baden-württembergischen Gemeinde Hüffenhardt eine automatisierte Arzneimittelabgabestelle installiert. Nun klagen Thomas Grzesiak, Stadt-Apotheke in Neckarbischofsheim, Beate Rock, Rock Apotheke zur Ludwigs-Saline in Bad Rappenau, und Dagmar Schäfer, Schildwach-Apotheke in Epfenbach erneut mit Unterstützung der NOWEDA, um eine dauerhafte Unterlassung durchzusetzen.

„Wir gehen davon aus, dass DocMorris trotz der damit verbundenen Verstöße gegen deutsches Recht versuchen wird, weitere Arzneimittelabgabeautomaten zu eröffnen“, so Dr. Michael P. Kuck, Vorstandsvorsitzender der NOWEDA Apothekergenossenschaft. „Daher unterstützen wir das Engagement unserer Mitglieder, übernehmen erneut das volle Prozessrisiko und tragen auch die Kosten für hochspezialisierte Fachanwälte. Wie wir bereits angekündigt haben, werden wir auch in Zukunft jedes NOWEDA-Mitglied unterstützen, das von automatisierten Abgabestellen von DocMorris oder auch anderen Marktteilnehmern betroffen ist.“

In der DocMorris-Arzneimittelabgabestelle sieht die genossenschaftlich aufgestellte NOWEDA nicht nur einen Verstoß gegen geltendes Recht, sondern auch eine Gefährdung der gesicherten Arzneimittelversorgung in Deutschland. „Es geht bei der Installation von automatisierten Arzneimittelabgabestellen nicht um eine Verbesserung der Versorgung. Tatsächlich sollen die sicheren und gut funktionierenden Strukturen der Arzneimittelversorgung durch Vor-Ort-Apotheken aufgebrochen werden, um Platz zu schaffen für Versorgungsansätze, die völlig unzureichend und überflüssig, aber für DocMorris äußerst lukrativ sind“, betont Dr. Kuck. Arzneimittelabgabeautomaten können insbesondere in ländlichen Regionen Umsätze aus umliegenden Apotheken abziehen – für viele der ohnehin wirtschaftlich belasteten Apotheken ein zusätzlicher Faktor, der sie zur Aufgabe zwingen könnte. Die Folge: Wichtige Gemeinwohlpflichten, etwa die Erstellung von individuellen Rezepturen und die Versorgung von schwerkranken Schmerzpatienten mit Betäubungsmitteln, würden in den betroffenen Regionen wegfallen. Als Versandapotheke mit Sitz im Ausland ist DocMorris im Gegensatz zu deutschen Apotheken vor Ort nicht dazu verpflichtet, derartige Leistungen zu erbringen.

Auch die persönliche, individuelle Betreuung könne – selbst bei elektronischer Zuschaltung eines Apothekers – nicht von einem Arzneimittelautomaten erbracht werden. Erst die persönliche Beratungssituation von Angesicht zu Angesicht schaffe die Möglichkeit, einen Patienten und seinen Beratungsbedarf wirklich umfassend beurteilen zu können. Zudem begleiten Apotheker und ihr pharmazeutisches Fachpersonal Patienten mit ihren Krankengeschichten oftmals über viele Jahre, sind mit den persönlichen Gegebenheiten eng vertraut und können die Therapietreue bei der Einnahme von Arzneimitteln entscheidend verbessern, betont NOWEDA.