Montag, 16. Juli 2018 11:00 Uhr

GfK- und NOWEDA-Umfrage - Bevölkerung unzureichend über Apothekenrückgang informiert


In Deutschland gibt es schon heute weniger Vor-Ort-Apotheken als im Durchschnitt der Europäischen Union. Die Zahl der Vor-Ort-Apotheken ist mit 19 748 auf dem tiefsten Stand seit fast 30 Jahren – Tendenz weiter fallend. Diese Tatsache weist darauf hin, dass Deutschland auf dem Wege ist, eines der besten Apothekensysteme der Welt zu verlieren und die bisher funktionierende flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln über die Vor-Ort-Apotheken aufzugeben.

GfK- und NOWEDA-Umfragen zeichnen klares Bild
Doch ist die Bevölkerung über diese Tatsachen hinreichend informiert? Und wie wichtig sind den Menschen ihre Apotheken? Diese Fragen klärt eine bundesweite, repräsentative Umfrage der NOWEDA Apothekergenossenschaft mit Sitz in Essen in Zusammenarbeit mit der GfK, Gesellschaft für Konsumforschung, in Nürnberg. Zusätzlich zur GfK-Erhebung wurde von NOWEDA-Apothekenmitgliedern bundesweit eine nicht repräsentative Patientenumfrage durchgeführt, an der sich mehr als 12 000 Apothekenkunden beteiligt haben. Die gestellten Fragen waren bei beiden Umfragen identisch. Die Ergebnisse beider Umfragen zeichnen ein klares Bild: Zum einen lässt sich aus den Daten ablesen, dass es ein deutliches Informationsdefizit der Bevölkerung über den massiven Rückgang der Vor-Ort-Apotheken gibt. Gleichzeitig wird auch deutlich, dass die Befragten die Leistungen der Vor-Ort-Apotheke sehr schätzen und die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln erhalten möchten.

Unwissenheit über Apothekensterben in Deutschland
90,4 Prozent der über die GfK Befragten ist nicht bekannt, dass es in Deutschland weniger Apotheken gibt als im Durchschnitt der EU. Dass durchschnittlich in den letzten drei Jahren alle 38 Stunden eine Apotheke geschlossen hat, ist sogar 90,7 Prozent nicht bewusst. 91,8 Prozent der repräsentativen Befragungsgruppe wusste nicht, dass sich die Anzahl der Apotheken in Deutschland auf dem tiefsten Stand der letzten drei Jahrzehnte befindet.

Die Menschen, die sich in den Apotheken der NOWEDA-Mitglieder an der Umfrage beteiligt haben, also offenbar eher „apothekenaffin“ sind, zeigten sich durchaus informierter. Dennoch lassen sich auch hier an den Ergebnissen deutliche Informationsdefizite über die prekäre Lage der deutschen Vor-Ort-Apotheken ablesen: Der Fakt, dass es in Deutschland bereits heute weniger Apotheken gibt als im EU-Durchschnitt, ist 62,9 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht bekannt. 62,3 Prozent wissen nicht, dass in den letzten drei Jahren in Deutschland im Durchschnitt alle 38 Stunden eine Apotheke schließen musste und 60 Prozent wissen nicht, dass sich die Anzahl der Apotheken auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren befindet.

Bevölkerung sieht Vor-Ort-Apotheken als sehr wichtig an
Gleichzeitig wird in beiden Umfragen sehr deutlich, dass die Leistungen der Vor-Ort-Apotheken intensiv in Anspruch genommen werden. Laut der repräsentativen GfK-Umfrage nutzten schon gut zwei Drittel (67,5 Prozent) der Befragten Nacht- oder Notdienste an Sonn- und Feiertagen der Vor-Ort-Apotheken. Diese Leistungen haben laut Patientenumfrage in den Apotheken bereits mehr als drei Viertel (76,5 Prozent) der Befragten in Anspruch genommen. Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei der Akutversorgung aus: 93,5 Prozent der GfK-Befragten nutzen diesen Service und haben schon direkt nach dem Arztbesuch Medikamente in der Apotheke vor Ort bezogen. In der Patientenumfrage nahmen sogar 95,9 Prozent diese Leistung wahr. Mehr als 4 von 5 Teilnehmern der GfK-Umfrage (81,9 Prozent) haben bereits die persönliche Beratung von Mensch zu Mensch in Anspruch genommen. Die Patientenumfrage in den Apotheken der NOWEDA-Mitglieder kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 19 von 20 Befragten (95,4 Prozent) schon einmal die persönliche Beratung genutzt haben. Im Notfall oder Krankheitsfall eine Apotheke in erreichbarer Nähe zum Wohnort zu haben, wurde innerhalb der GfK-Umfrage von 97,9 Prozent der Befragten als sehr wichtig bzw. wichtig erachtet. Bei der Patientenumfrage in den Apotheken der NOWEDA-Mitglieder ist das Ergebnis noch deutlicher: Nur 0,1 Prozent der Umfrageteilnehmer schätzen diesen Punkt als nicht wichtig ein.

Informationslücken in der Bevölkerung zu elementaren Leistungen der
Vor-Ort-Apotheken

Gemäß GfK-Umfrage wissen rund zwei Drittel der Befragten (68,5 Prozent) nicht, dass Versandapotheken starke Schmerzmittel (sog. Betäubungsmittel), z. B. für Krebspatienten, nicht versenden dürfen und diese nur in Vor-Ort-Apotheken erhältlich sind.

Kein Verständnis für die Gefährdung der Vor-Ort-Apotheken durch Versandhandel
Auf die Frage: „Hätten Sie Verständnis dafür, wenn Menschen ihre Medikamente im Internet beziehen, auch wenn dadurch die Existenz der wohnortnahen Vor-Ort-Apotheken gefährdet würde?“, antworteten bei der GfK-Umfrage 63,7 Prozent mit „nein“. Die Teilnehmer der Patientenumfrage in den Apotheken der NOWEDA-Mitglieder sehen als Apothekenkunden diesen Punkt noch dramatischer. Hier haben 88,1 Prozent der Teilnehmer dafür kein Verständnis.

Umfrage-Ergebnisse unterstreichen Bedeutung der neuen NOWEDA-Kampagne „Alle 38 Stunden“
„Die eindeutigen Umfrage-Ergebnisse zeigen, wie wichtig unsere aktuelle Anzeigenkampagne ,Alle 38 Stunden‘ ist“, bekräftigt Dr. Michael P. Kuck. „Alle 38 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke. Die Kampagne soll die Bürger aufrütteln und ihnen den massiven Rückgang der Vor-Ort-Apotheken verdeutlichen. Die Menschen müssen wissen, dass ihre Versorgung in Gefahr ist, wenn das so weiter geht. Das gilt gerade vor dem Hintergrund, dass unsere Befragungen auch gezeigt haben, wie wichtig der Bevölkerung die Versorgung durch wohnortnahe Apotheken ist. Und die Politik muss endlich handeln, die Apothekenhonorare deutlich erhöhen und dynamisieren und den Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel verbieten. Ist die Infrastruktur erst einmal zerstört, gibt es kein Zurück.“

Die Anzeigenkampagne „Alle 38 Stunden“ ist mehrteilig angelegt und wird bis Jahresende mehrfach mit immer neuen Bildmotiven im Focus erscheinen. Das Nachrichtenmagazin zählt mit 4,48 Millionen Lesern zu den reichweitenstärksten Wirtschaftspublikationen. Als ergänzendes Medium stellt auch die neue NOWEDA-Website www.apotheken-helfen.de die Kampagne vor und vermittelt anhand der Bildmotive wichtige Fakten: Dazu zählen unter anderem 20 000 versorgte Patienten durch ca. 1 300 Apotheken pro Nacht- und Notdienst, 157 284 Arbeitsplätze in Apotheken und 7 Mio. Rezepturen pro Jahr.