Freitag, 22. Juni 2018 14:51 Uhr

Studie: Versandapotheken erfüllen gesetzliche Auflagen nur lückenhaft


Die Novellierung des Arzneimittelgesetzes (AMG) und des Apothekengesetzes (ApoG) im Jahr 2004 öffnete den Markt für den Versandhandel mit Arzneimitteln in Deutschland. Seitdem wird der Arzneimittelversandhandel kontrovers diskutiert. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen „Professor Kaapke Projekte“ im Herbst 2017 die Leistungsfähigkeit von Versandapotheken. Die Ergebnisse sind in der von NOWEDA in Auftrag gegebenen Studie „Überprüfung der Leistungsfähigkeit des Arzneimittel-Versandhandels“ dokumentiert.

Durchgeführt wurde die Studie von 100 Studierenden der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart, die insgesamt rund 400 Testbestellungen bei Online-Apotheken aufgaben. Die Testpersonen gehören zur Generation der sog. Digital Natives, die in das Zeitalter des Internets hineingeboren wurden. Ihre Erwartungen beim Kauf von Produkten im Internet stellen somit einen realistischen Qualitätsmaßstab dar.

Bei der Erhebung stand die Frage im Fokus, ob Online-Apotheken beim Versand von Arzneimitteln an Endkunden die hohen gesetzlichen und qualitativen Anforderungen erfüllen, die diese Waren der besonderen Art erfordern.

Ein großes Defizit ist bei der Lieferqualität erkennbar. Bei 22,1 Prozent der bestellten OTC-Präparate sowie bei 36,5 Prozent der Bestellungen auf Rezept betrug die Lieferzeit vier oder mehr Tage.

Bei 33 Bestellungen von Präparaten, deren Verkauf Versandapotheken gesetzlich nicht erlaubt ist, erfolgte in zehn Fällen dennoch eine Belieferung. Die gesetzlichen Auflagen werden somit in diesem Fall nur lückenhaft erfüllt.

Prof. Dr. Andreas Kaapke: „Gegenwärtig erfüllen die Versender die hohen gesetzlichen Auflagen nur bedingt. Sollte sich dies nicht ändern oder gar ändern lassen, würde bei Nichteinschreiten der Politik ein nicht hinnehmbarer Unterschied in der rechtlichen Behandlung von Offizin- und Versandapotheken weiter institutionalisiert.“

Die Studie ist unter www.deutscher-apotheker-verlag.de mit der ISBN 978-3-7692-7242-0 für 29,80 Euro erhältlich.