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Der 3D-Macher

Michael Tomczak ist in Münster der Mann für Spezialfälle. Egal, ob es um Ersatzteile oder Konstruktionen geht, die Abläufe im Betrieb einfacher machen – der Haustechniker setzt auf 3D-Druck und Eigenentwicklungen und ist damit einer der Vorreiter bei der NOWEDA.

Der jüngste Fall war wieder ganz nach dem Geschmack von Michael Tomczak. An einer Kühlzelle brach die Kunststoffschließe ab, sodass sich die Tür nicht mehr schließen ließ. Der Hersteller wurde kontaktiert und schickte auch direkt ein Angebot. Allerdings sollten ein neuer Griff und der Einbau mehr als 500 Euro kosten. Das geht auch einfacher, entschied Michael Tomczak, und billiger. Innerhalb von zwei Stunden konstruierte er die Schließe am PC selbst nach und schickte die Daten an den 3D-Drucker. Nach 10 Minuten war das Ersatzteil fertig. „Das ist ein tolles Beispiel dafür, wie wir mittlerweile durch unsere eigenen 3D-Drucker Ärger, Zeit und Geld sparen“, sagt Betriebsleiter Kevin Stobbe. Die Materialkosten für das Ersatzteil betrugen gerade einmal 20 Cent.

Michael Tomczak beschäftigt sich seit zehn Jahren mit 3D-Druck. Zunächst war es für ihn ein reines Hobby. „Wie viele andere auch, habe ich mit Spielzeugen und Hilfsmitteln für den Haushalt angefangen. Die Technik und die Möglichkeiten haben mich fasziniert“, erzählt er. So schaffte er sich nicht nur einen 3D-Drucker, sondern auch eine CAD-Software an. Seit ein paar Jahren ist sein Hobby auch Teil seines Berufs. Bei der NOWEDA in Münster stehen mittlerweile zwei 3D-Drucker, die Michael Tomczak für die unterschiedlichsten Dinge nutzt. Immer öfter konstruiert er Ersatzteile. „Einzelne Verschleißteile bieten Hersteller oftmals gar nicht mehr an oder sie sind sehr teuer“, so Betriebsleiter Stobbe.
Als Haustechniker hat Michael Tomczak aber auch einen Blick dafür, an welchen Stellen es im Betrieb noch besser laufen könnte.  So konstruierte er eine gut sichtbare Schutzabdeckung für die Lichtschranken der Fördertechnik, die die empfindlichen Sensoren vor Schäden schützt.
Für die Kommissioniergeräte im Lager entwickelte er ein Halterungs- und Aufbewahrungssystem. Anstatt lose in einer Kiste zu liegen, stecken die einzelnen Geräte und Fingerscanner jetzt griffbereit und übersichtlich nebeneinander in einer Ablage. „Es sind einfache und praktische Dinge, die den Arbeitsalltag erleichtern“, sagt Michael Tomczak.

Grundsätzlich kann der 3D-Spezialist alles produzieren, vorausgesetzt es besteht aus Kunststoff und die Größe ist für einen der beiden Drucker geeignet. Welches Kunststoffmaterial (sog. Filament) er für den Druck einsetzt, hängt von der späteren Belastung ab. Und davon, ob das Produkt UV-beständig sein muss. Vom 3D-Druck ist Michael Tomczak nicht nur begeistert, sondern er sieht auch dessen Potenzial. „Es hat sich in den vergangenen Jahren wahnsinnig viel getan und mit der KI wird es noch mehr Möglichkeiten geben.“ Als Beispiel nennt er 3D-Blaulichtlaser. Diese scannen ein bestehendes Objekt ab und erstellen mit den gewonnenen Daten ein präzises 3D-Modell. „In Zukunft wird die KI selbstständig bauen“, so sein Fazit. „Wir geben nur noch den Befehl.“

Bis dahin wird der Techniker Ersatzteile und Eigenentwicklungen selbst konstruieren und Prototypen anfertigen. Zu tun gibt es für ihn mehr als genug. Denn auch bei den Kolleginnen und Kollegen hat sich herumgesprochen, dass er sich mit dem Thema 3D‑Druck besonders gut auskennt. „Ich bekomme immer wieder Anfragen, ob ich bei einem Problem helfen kann“, freut er sich. Auch an anderen NOWEDA-Standorten wird 3D‑Druck inzwischen erfolgreich eingesetzt.