Immer wieder unterstützt die NOWEDA-Stiftung soziale Projekte, die Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung fördern. Als Engin Bereketoglu „Farid’s QualiFighting“ als potenzielles Förderprojekt vorstellte, war schnell klar: Hier wird sportliche Leistung mit akademischer Förderung so sinnvoll verbunden, dass ein nachhaltiger Effekt spürbar ist. Der NOWEDA-Mitarbeiter und Betriebsratsvorsitzende der Niederlassung Münster ist in seiner Freizeit erfolgreicher Trainer beim Verein Boxzentrum Münster e. V. Von Beginn an ist er bei „Farid’s QualiFighting“, das 2006 von seinem langjährigen Freund Prof. Dr. Farid Vatanparast ins Leben gerufen wurde, aktiv beteiligt.
„Man darf nicht nur geben, sondern muss auch fordern.“ Für Prof. Dr. Vatanparast ist dieser Satz keine leere Floskel, sondern die Grundlage eines Förderkonzepts, das seit über einem Jahrzehnt Wirkung zeigt. Der ehemalige Profiboxer und heutige Präsident des Deutschen Boxverbands verbindet sportliche Leistung konsequent mit schulischer Bildung – und erreicht damit Jugendliche, die andernorts oft durchs Raster fallen.
Den Anstoß für dieses Engagement lieferte ein einschneidendes Erlebnis. Prof. Vatanparast war bereits erfolgreicher Profiboxer und Mitglied des Olympiakaders, als ein Autounfall seine sportliche Karriere abrupt beendete. „Das war ein belastendes Lebensereignis, aus dem ich mich erst einmal herauskämpfen musste“, erinnert sich der heute 46-Jährige. Er schlug eine akademische Laufbahn ein und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Münster. Heute ist er hauptberuflich als Dozent für Führungsthemen und Social Entrepreneurship aktiv und leitet darüber hinaus das Kompetenzzentrum für Entrepreneurship und Mittelstand in Deutschland.
Parallel dazu begann er, sich als Boxtrainer in der Nachwuchsförderung zu engagieren – zunächst in sozial schwächeren Stadtteilen Münsters wie Coerde und Kinderhaus. „Als wir das Training anboten, standen plötzlich 30 Jugendliche in der Halle. Ich musste mir erst einmal Respekt und Vertrauen erarbeiten“, erzählt Vatanparast.
Schnell wurde ihm klar, dass sportliche Förderung allein nicht ausreicht. Viele der Jugendlichen brachten massive schulische Defizite mit. „Ich ließ mir die Zeugnisse zeigen – und die sahen oft erschreckend aus: zahlreiche Fehlstunden, schlechte Noten, kaum Perspektiven.“ Für Vatanparast war klar: Wer bei ihm trainieren wollte, musste auch in der Schule Fortschritte machen. Ein Ansatz, den auch Engin Bereketoglu mitträgt. Über viele Jahre hinweg arbeitete er mit Jugendlichen, die sowohl im Boxsport als auch in der Schule besonders herausfordernd waren und führte einige von ihnen Schritt für Schritt bis in den Nationalmannschaftskader und den Profibereich. Viele dieser Erfolge waren nur möglich, weil er seine Athleten über lange Zeit hinweg zu nationalen und internationalen Wettkämpfen begleitete und als Coach an ihrer Seite stand. Mittlerweile musste er sein privates Engagement etwas zurückfahren, da er bei der NOWEDA in Münster zahlreiche verantwortungsvolle Aufgaben hat, die ihrerseits viel Engagement für die Kolleginnen und Kollegen erfordern: Neben seiner Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender ist er Gesamtbetriebsratsvorsitzender sowie Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der NOWEDA AG. Seine Haltung hat sich dennoch nicht verändert: „Eine Gesellschaft lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen – nicht erst, wenn es bequem ist. Im Sport wie im Alltag geht es darum, etwas zurückzugeben und junge Menschen auf ihrem eigenen Weg vorzubereiten“, sagt Bereketoglu, der bereits seit 2001 in der Münsteraner NOWEDA-Niederlassung tätig ist.
Das Konzept setzte von Anfang an gezielt auf Eigenverantwortung: Training gab es nur bei nachweislicher schulischer Verbesserung. In enger Abstimmung mit Lehrerinnen und Lehrern wurden individuelle Vereinbarungen getroffen. „Wenn ein Schüler vom Training ausgeschlossen wurde, bekam ich Rückmeldung, sobald sich sein Verhalten oder seine Leistungen verbesserten – dann durfte er zurückkommen.“ Die Folge: mehr Disziplin, nicht nur im Boxring, sondern auch im Klassenzimmer. „Das wirkte sich spürbar positiv auf den Schulalltag aus“, sagt Vatanparast.
Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass vielen Jugendlichen grundlegende Unterstützung fehlte – etwa bei den Hausaufgaben. Sprachliche Barrieren oder fehlende Begleitung im Elternhaus erschwerten den schulischen Erfolg zusätzlich. So entstand schließlich das Projekt Farid’s QualiFighting, das die NOWEDA-Stiftung im vergangenen Stiftungsjahr mit 2.500 Euro unterstützte.
Das Konzept ist ebenso klar wie anspruchsvoll: fünf Boxeinheiten pro Woche, ergänzt durch viermal wöchentlich jeweils 90 Minuten Nachhilfeunterricht. Gelernt wird im oberen Stockwerk, trainiert im unteren. Insgesamt 650 Mitglieder zählt das Boxzentrum Münster e. V., rund 130 Kinder und Jugendliche nehmen an dem Förderprogramm teil.
Die Erfolge können sich sehen lassen. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer schafften den Sprung in den leistungsorientierten Boxsport. Doch auch jenseits des Rings gingen viele ihren Weg. „Ein ehemaliger Förderschüler ist heute Jurist, ein anderer führt eine eigene Kfz-Werkstatt und eine frühere Nachwuchsboxerin arbeitet inzwischen als Architektin in Münster“, berichten beide nicht ohne Stolz.

