Um sich ein Bild von den aktuellen Rahmenbedingungen der Arzneimittelversorgung zu machen, besuchte Dr. Katja Strauss-Köster MdB die NOWEDA in Essen. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken, die Rolle des pharmazeutischen Großhandels sowie die Auswirkungen regulatorischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland.
Diskutiert wurden unter anderem die anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen der Apothekenlandschaft. „Die stufenweise Honorarerhöhung ist ein richtiger Schritt, jedoch wirkt sie vor dem Hintergrund der bevorstehenden Erhöhung des Kassenabschlags wenig nachhaltig“, so NOWEDA-Chef Dr. Michael Kuck. Im Gespräch verdeutlichte er, dass viele Apotheken zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehen und die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzbeschlossenen Maßnahmen das seit Jahren anhaltende Apothekensterben nicht ausreichend werden bremsen können. Eine Entwicklung, die der NOWEDA-Vorstand angesichts der steigenden Verantwortung der Apotheken für die dezentrale Arzneimittelversorgung – nicht zuletzt in einem möglichen Krisenfall – kritisch betrachtet.
Dr. Katja Strauss-Köster verweist vor dem Hintergrund eines möglichen Krisen- oder Verteidigungsfalls auf das das KRITIS-Dachgesetz, dessen „Rechtsverordnung zur Bestimmung kritischer Anlagen“ sich gerade im parlamentarischen Verfahren befindet. Mit dem Gesetz wurde eine EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen in deutsches Recht umgesetzt. „Die Bundesregierung will durch einheitliche Regelungen den Schutz kritischer Infrastrukturen, die Resilienz der Wirtschaft und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung stärken“, so Dr. Strauss-Köster, die Ordentliches Mitglied im Innenausschuss und stellvertretende Berichterstatterin für dieses Thema ist.
Auch die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie der Ausbau der pharmazeutischen Dienstleistungen waren Gesprächsthema: „Vor-Ort-Apotheken werden von der Politik zunehmend als niedrigschwellige Anlaufstelle für die Menschen in ihrem direkten Umfeld erkannt. Dass die Möglichkeiten rund um Prävention und Beratung nun ausgeweitet wurden, begrüßen wir“, so Vertriebsvorstand Udo Harneit.
Die Situation des pharmazeutischen Großhandels gehörte ebenso zu den besprochenen Themen wie unzureichende Transportkontrollen von industriellen Arzneimittelversendern aus dem EU-Ausland sowie eine zunehmende Umgehung des Großhandels durch das Direktgeschäft von Arzneimittelherstellern. „Stabile logistische Prozesse sind gerade in Krisenzeiten essenziell für die Versorgungssicherheit. Der pharmazeutische Großhandel hat seine Leistungsfähigkeit in enger Zusammenarbeit mit den Vor-Ort-Apotheken während der Corona-Pandemie bewiesen. Es ist heute wichtiger denn je, diese stabilen Strukturen zu erhalten und zu fördern“, so Dr. Michael Kuck.
