Der Essener Baldeneysee zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Ruhrgebiet. Wer ihn auf dem Baldeneysteig umrundet, legt fast 27 Kilometer zurück. Im vergangenen Jahr waren auch zwei Klassen der Grundschule Heinrich-Strunk-Straße hier unterwegs. Als eines der Kinder plötzlich fragte: „Ist das das Meer?“, waren die Lehrerinnen Kerstin Bischof und Jasmin Friedland für einen Moment sprachlos. Beiden Pädagoginnen war in diesem Augenblick bewusst, dass viele ihrer Schülerinnen und Schüler aus den beiden vierten Klassen das Meer noch nie mit eigenen Augen gesehen hatten. Für sie stand fest: Das muss sich ändern.
Da kurz zuvor das Wattenmeer im Unterricht behandelt worden war, bot sich eine Klassenfahrt in das Naturschutzgebiet an der Nordsee an. Die Herausforderung: Ausflüge mit weiter Anreise und Übernachtung sind kostspielig und für viele Familien, deren Kinder auf die Grundschule Heinrich-Strunk-Straße im strukturschwachen Essener Stadtteil Altendorf gehen, finanziell eine massive Belastung. Die Schule setzte sich daraufhin mit der NOWEDA-Stiftung in Verbindung, die die Kosten für die Kurzreise übernahm. Zwei Tage fuhren die Lehrerinnen im November 2025 mit weiteren Betreuerinnen und Betreuern sowie beiden Schulklassen in Richtung Norden. Nach der Ankunft gab’s jedoch direkt eine Enttäuschung. „Das Wasser ist ja da!“, beschwerte sich eines der Kinder, das damit gerechnet hatte, direkt den Schlick erkunden zu können. Ein bisschen Geduld war also erforderlich, bevor noch am selben Tag die erste Exkursion startete.
Eine Wattwanderung unter professioneller Führung durfte natürlich nicht fehlen. Am Strand sorgten vor allem die tierischen Bewohner für große Begeisterung. „Es gibt da viele Krabben, Muscheln und Krebse“, weiß z. B. Leo zu berichten und erhält viel Zustimmung von seinen Klassenkameradinnen und -kameraden. Faith fand es besonders cool, im Matsch unterwegs zu sein. Die Kinder erlebten Ebbe und Flut live und wissen jetzt ganz genau, warum das Watt auch gefährlich sein kann, wenn das Wasser zurückkommt. Ein weiteres Highlight am selben Tag war eine Dünen-Nachtwanderung – ein Erlebnis, das viele Kinder ganz besonders begeisterte. Todmüde ging es schließlich ins Bett, um am nächsten Tag für einen weiteren tollen Programmpunkt gerüstet zu sein. Denn am Abreisetag besuchte die Gruppe die Seehundstation Norddeich, wo die Kinder unter anderem lernten, dass Seehund- und Robbenbabys manchmal die Hilfe der Menschen brauchen, wenn sie in Not geraten.
Ein weiteres, allerdings ungeplantes Erlebnis der besonderen Art ereignete sich kurz vor Abreise bei einer kleinen Snackpause am Strand, die von den lokalen Möwen sehr genau beobachtet wurde. Als eines der Kinder ein Stück des Mittagssnacks an eine Möwe abgab, erfolgte sofort eine regelrechte Belagerung durch die gefiederte Armee. Kurzum: Die Kinder hatten eine weitere wichtige Strandregel kennengelernt: Futter am Strand ist in allererster Linie hart umkämpftes Möwen-Eigentum!
Um die lehrreiche Klassenfahrt zu ermöglichen, spendete die NOWEDA-Stiftung 5.500 Euro an die Grundschule Heinrich-Strunk-Straße.
