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Klage abgewiesen: NOWEDA-Chef darf Marketingmentalität industrieller Versender weiter kritisieren

Dr. Michael Kuck

Industrielle Arzneimittelversandhändler aus den Niederlanden versuchen immer wieder, ihre Leistungen mit denen der Vor-Ort-Apotheken zu vergleichen und bei Medien und Verbrauchern als gleichwertig darzustellen. Die NOWEDA kritisiert diese PR-Maßnahmen immer wieder, macht regelmäßig auf die USPs der lokalen Apotheken aufmerksam und leitet nicht zuletzt regelmäßig rechtliche Schritte ein, unter anderem gegen Shop Apotheke.
Der Konzern versuchte sich jetzt an einem Gegenschlag – scheiterte allerdings vor dem Landgericht Düsseldorf, das eine Klage gegen den NOWEDA-Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Kuck als unbegründet abwies. Gegen das Urteil ist Berufung möglich.

Konkret zog die Shop Apotheke, der vom LG Frankfurt die Werbung mit Gutscheinen für die Einlösung von Verschreibungen untersagt worden war, wegen folgendem Zitat des NOWEDA-Chefs aus einer Pressemitteilung vor Gericht, das verschiedene Medien aufgegriffen hatten:
„Wir begrüßen die Entscheidung des Landgerichts ausdrücklich. Arzneimittel sind Waren der besonderen Art, deren Einnahme neben dem primären Mehrwert für den Patienten auch ein Risiko darstellen können. Gerade die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten sollte daher immer in Kombination mit professioneller pharmazeutischer Beratung erfolgen. Dieses Bewusstsein wird von einer ‚Coupon-Mentalität‘ untergraben.“

Shop Apotheke forderte Dr. Kuck zunächst zur Unterlassung seiner Äußerung auf, was die Apothekergenossenschaft jedoch ablehnte. Denn die Aussage zielte allgemein darauf ab, dass bei Arzneimitteln stets die Beratung im Vordergrund stehen sollte und eben nicht Zugaben oder Zuwendungen, die eine „Coupon-Mentalität“ fördern und die mit dem Arzneimittelkonsum einhergehenden Risiken relativieren. Dies gilt für alle Apotheken, nicht nur Shop Apotheke.

„Medikamentenversender versuchen, ihre Leistungen im öffentlichen Bewusstsein mit denen der stationären Apotheken gleichzustellen“, so Dr. Kuck zur Entscheidung des LG Düsseldorf. „Tatsache ist aber, dass deren Beratungsangebot nicht mit einem persönlichen Austausch in der Apotheke gleichzusetzen ist.“ Denn stationäre Apotheken sind eben keine reinen Arzneimittelabgabestellen, sondern bieten darüber hinaus Nacht- und Notdienste, Rezepturen, pharmazeutische Dienstleistungen und pharmazeutische Beratung im persönlichen Austausch direkt vor Ort. Zudem kümmern sie sich im Fall von Lieferengpässen um Alternativen für die betroffenen Patienten.

Die NOWEDA behält die aggressiven Werbemaßnahmen, die vielen Versendern aufgrund millionenschwerer Investoren im Hintergrund trotz zum Teil roter Zahlen möglich sind, weiter im Auge. „Der Verbraucher muss sich darüber im Klaren sein, dass der stete Tropfen den Stein höhlt und dass die ‚Coupon-Mentalität‘ dieser Unternehmen dazu beiträgt, das Apothekennetz in Deutschland weiter zu schwächen. Das birgt nicht zuletzt die Gefahr von Monopolen, wie wir sie bereits in anderen Branchen kennen. Hier geht es nicht um eine bestmögliche Arzneimittelverfügbarkeit und -versorgung, individuelle Beratung oder persönliche Betreuung, gerade für ältere und chronisch kranke Menschen, sondern allein um maximalen Profit. Das kann nicht die Zukunft der Arzneimittelversorgung sein.“