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Kritische Bilanz nach zwei Jahren Cannabis

Jede zweite Apotheke vertreibt Medizinalcannabis, doch nur für zwei Prozent der Apotheken hat die Abgabe eine hohe Bedeutung. Die Mehrheit der Apotheker vermutet, dass ein Großteil der in Apotheken abgegebenen Cannabisblüten aus nicht medizinisch erforderlichen Gründen konsumiert wird und fordert strengere Regeln für Verschreibung und Abgabe – auch mit Blick auf die Online-Plattformen.

Mit dem sogenannten Cannabisgesetz wurde Cannabis in Deutschland nicht nur für den Freizeitgebrauch teilweise legalisiert, sondern auch die Verschreibung und Abgabe von Cannabis für die medizinische Anwendung neu geregelt. Seit zwei Jahren darf Cannabis daher nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft werden. Es kann daher einfacher ärztlich verordnet und über Apotheken abgegeben werden. Doch unter Apothekeninhabern stößt die Cannabis-Legalisierung überwiegend auf Skepsis, wie die der Apothekenkonjunkturindex (APOkix) zeigt, der von der NOWEDA unterstützt wird. 
Knapp zwei Drittel der befragten Pharmazeutinnen (65 Prozent) bewerten diese negativ, ein Viertel (26 Prozent) neutral und nur 9 Prozent positiv. Viele Befragte äußern Zweifel an der rein medizinischen Nutzung von Medizinalcannabis. So haben 83 Prozent der Befragten den Verdacht, dass ein Großteil der in Apotheken abgegebenen Cannabisblüten dem Freizeitkonsum dient. 

Wachsende Privatnachfrage – Cannabisextrakte und -blüten im Fokus 

Vertrieben wird Medizinalcannabis den Angaben der befragten Apothekeninhaber zufolge in knapp jeder zweiten Apotheke (46 Prozent). Lediglich knapp zwei Prozent der Befragten geben an, dass die Abgabe eine hohe Bedeutung für ihre Apotheken habe. Am häufigsten abgegeben werden Cannabisextrakte (44 Prozent), gefolgt von Cannabisblüten (30 Prozent) sowie cannabishaltigen Rezepturen (17 Prozent) und Fertigarzneimittel wie Sprays und Kapseln (9 Prozent). Bei den Verordnungen sind Kassen- (54 Prozent) und Privat-/Selbstzahlerrezepte (46 Prozent) weitgehend gleichauf. Allerdings stieg die Zahl der Privatrezepte für Medizinalcannabis in den letzten 12 Monaten nach Angaben von 37 Prozent der Befragten – die Anzahl entsprechender Kassenrezepte stieg hingegen lediglich in knapp jeder vierten Apotheke (23 Prozent). 

Apotheken sollen gestärkt werden – Online-Vertrieb in der Kritik 

Knapp zwei Drittel der Apothekerschaft (66 Prozent) findet, dass Apotheken eine wichtige Rolle bei der Aufklärung der Bevölkerung über den sicheren Umgang mit Cannabis zugedacht werden sollte. Fast neun von zehn Befragten (86 %) begrüßen den Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums, demzufolge medizinischer Cannabis nicht mehr über Online-Plattformen vertrieben werden darf, sondern nur noch vor Ort in Apotheken erhältlich sein soll. Knapp drei Viertel (74 Prozent) befürworten strengere Regeln zur Verschreibung und Abgabe von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken. Lediglich ein Drittel der Befragten (33 Prozent) hält den aktuellen gesetzlichen und regulatorischen Rahmen zur Verschreibung und Abgabe von Medizinalcannabis für ausreichend, zwei Drittel (67 Prozent) teilen diese Meinung nicht.