Ausbleibende Honoraranpassungen, Fachkräftemangel, Bürokratie – die Liste der Faktoren, die die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch inhabergeführte Apotheken gefährden und das Apothekensterben befeuern, ist lang. Mit 16 601 Apotheken ist ihre Anzahl auf das Niveau von vor rund 50 Jahren gefallen. Das geplante Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) soll künftig gegensteuern, jedoch enthält der aktuelle Entwurf zu hinterfragende Punkte. Nun besuchte Karl-Josef Laumann MdL, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Günther Bergmann die NOWEDA-Zentrale in Essen und tauschte sich vor der Bundesratssitzung am vergangenen Freitag über die Situation der Apotheken und des pharmazeutischen Großhandels aus.
Zu besprechen gab es reichlich: So stimmten NOWEDA-Chef Dr. Michael Kuck und Vertriebsvorstand Udo Harneit Minister Laumann zu, dass Honorarverhandlungen der Apotheken mit dem GKV-Spitzenverband, deren Ergebnisse anschließend durch eine Rechtsordnung der Bundesregierung umgesetzt werden müssten, keine ausreichende Planungssicherheit böten. „Die vorgesehene Verhandlungslösung ist nicht zuletzt mit der Herausforderung verbunden, dass drei Bundesministerien wegen einer etwaigen Honorarerhöhung zustimmen müssten. Zielführender wäre es, den selbstverhandelten Versorgungszuschlag als zusätzlichen Vergütungsbaustein im Sozialgesetzbuch (SGB) V festzuschreiben“, so Laumann. „Diese Regelung würde die Möglichkeit eröffnen, als zusätzliche Vergütungskomponente eine eigenständige Verhandlung einzuführen. Dadurch bliebe der Status quo als Rückfalllinie erhalten.“
Die Ausgestaltung fairer finanzieller Rahmenbedingungen bereitet auch Dr. Michael Kuck Kopfschmerzen. Neben der wirtschaftlichen Situation des pharmazeutischen Großhandels ging es im Gespräch insbesondere um die fehlende Honoraranpassung für Apotheken. „Der aktuelle Entwurf zum ApoVWG führt den Titel ad absurdum“, so NOWEDA-Chef Dr. Michael Kuck.
„Wenngleich er einige sinnvolle Punkte enthält, sind etwa die Pläne zur Honoraranpassung unzureichend. Dabei ist genau dieser Punkt ausschlaggebend, wenn es um die Verbesserung der angespannten wirtschaftlichen Situation der Apotheken geht. Apotheken brauchen dringend faire und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Zudem sind erneut Maßnahmen zur Lockerung der Verantwortlichkeit – Stichwort Apotheke ohne Apotheker – auf dem Tisch, die wir ablehnen. Wir begrüßen den Einspruch der Länder im Bundesrat daher außerordentlich.“
Auch Karl-Josef Laumann betonte den hohen Stellenwert der Apotheken und erteilte den Plänen für eine „Apotheke light“ ebenfalls eine klare Absage. „Die Apotheken spielen eine wichtige Rolle in der flächendeckenden Gesundheitsversorgung in Deutschland. Wir sollten alles dafür tun, sie zu stärken“, so der Minister.
Vor diesem Hintergrund wurden im Gespräch weitere Leistungen der Apotheken intensiv beleuchtet: Dr. Michael Kuck und Udo Harneit erläuterten, dass Gesundheitsdienstleistungen wie Impfen, Diagnostik sowie die Unterstützung bei der Hilfsmittelversorgung enormen Mehrwert für Patienten schaffen und die stationäre Apotheke als wichtiges Kernelement der wohnortnahen Gesundheitsversorgung nachhaltig stärken würden. Auch die online Verfügbarkeit, die Apotheken durch die digitale Infrastruktur IhreApotheken.de gewährleisten, war ein wichtiger Gesprächspunkt.
Wie effizient die Arzneimittellogistik bei NOWEDA in der Praxis funktioniert, ließen sich Laumann und Dr. Bergmann abschließend bei einer Führung durch die Niederlassung zeigen. Seit über acht Jahrzehnten ist die NOWEDA als genossenschaftlich organisierter pharmazeutischer Großhandel zentrale Drehscheibe der Arzneimittelversorgung in Deutschland. An die Essener Zentrale ist zugleich eines der größten Medikamentenlager Europas angeschlossen, das allein rund 1 000 Apotheken täglich versorgt.




