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So nuscheln ARD und ZDF

20.00 Uhr. Erstes Deutsches Fernsehen. Zeit für die „Tagesschau“. Vertraute Gesichter. Sie präsentieren Nachrichten aus aller Welt. In klarer Sprache. Jeder versteht, was über Donald Trump und seine neuesten Eskapaden berichtet wird. Dann Nachrichten von den Kriegsschauplätzen. Ein wenig Politik. Etwas Sport. Ein bisschen Wetter. Ende der Tagesschau. Alles verstanden. Der Abspann läuft. Die Moderatorinnen räumen ihre Papiere zusammen. Dann endlich dürfen sie lachen.

Nach der Tagesschau wird es gemütlich. Die jüngeren stürzen sich auf die Serien der Streamingplattformen.Apple TV,Netflix, Amazon Prime.Die Älteren sind der ARD und dem ZDF treu. Dafür müssen alle 18,36 Euro im Monat bezahlen. Das spült pro Jahr 9 Milliarden Euro in die Kasse. 70 % davon für die ARD, das ZDF bekommt 25 %. Mit diesem Geld wird zunächst einmal die Verwaltung bezahlt. Immerhin sind neun Landesrundfunkanstalten und das ZDF zu versorgen. Aber es wird auch Programm damit gemacht. Nachrichten, Reportagen, Sport, Politik, Talkshows, Filme, Fernsehspiele. Ganz vorn dabei die Spezialität in Deutschlands Fernsehsendern – Mord und Totschlag. Im „Tatort“ wie in zahllosen anderen Krimi-Formaten.

Genau hier fängt das Ärgernis an – die Diskriminierung der älteren Bevölkerung. Denn ab hier versteht ein Großteil der 22 Millionen Rentner in Deutschland nur noch die Hälfte im Fernsehen. Die Schauspieler nuscheln und brabbeln, murmeln und brummeln, raunen und flüstern. Und das zu möglichst lauter Hintergrundmusik. Die Dialoge – kaum zu verstehen. „Hast du das verstanden?“ – die meistgestellte Frage am Abend. Wer nicht versteht, kann der Handlung nicht folgen. Also besser ein Nickerchen machen? Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen als Schlafmittel der Nation?

Schuld an dieser Diskriminierung der älteren Bevölkerung sind die Regissseure. Sie werden zwar aus den Beiträgen der Fernsehzuschauer bezahlt, kümmern sich aber keinen Deut um deren physiologische Bedürfnisse. Wer nichts versteht, ist selber schuld. Die Regisseure von heute meinen, ein gutes Fernsehspiel solle „echt“ sein. Die Schauspieler sollten „authentisch“ rüberkommen. Nuscheln und grummeln. Reden wie das Volk. Nuschelt das auch so? Fällt einem im täglichen Leben garnicht auf. Aber eigentlich ist diese Art von Spiel nur schlechtes Regiehandwerk. Sich selbst verwirklichen, aber mit fremdem Geld. Sich selbst erfreuen, aber nicht das Fernsehpublikum.

Nichts verstehen können ist im übrigen nur ein Teil der Zumutung. Kaum ist man eingenickt, weil man nichts kapiert, plötzlich ein Schrei, dass einem die Fernbedienung aus der Hand fällt.Mit dermuss man nämlich permanent die Lautstärke korrigieren. Wegen der Nachbarn. Warum? Weil die meisten Regisseure meinen, man müsse den Ablauf des Geschehens nicht durch eine schlüssige Handlung sichtbar machen, sondern durch „Dynamik per Action“. Ein plötzlicher Wechsel zwischen leise genuschelten Dialogen und explodierenden Action-Szenen.  Mit ohrenbetäubendem Soundüberfall. Was mutet man der älteren Bevölkerung da zu? Oder will man damit die Jüngeren überzeugen? Schon vergessen? Die gucken sowieso Netflix.

Das Problem ist den Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten seit langem bekannt. Aber – wie in Deutschland üblich – wird nicht das Problem gelöst, sondern wortgewaltig erklärt. Da ist die Hintergrundmusik, die man aus technischen Gründen nicht leiser stellen kann. Da werden Produktionen eingekauft, auf deren Entstehung man keinen Einfluss hat. Da sind Schauspieler wie Til Schweiger, denen man das Nuscheln nicht verbieten kann. Da sind die Regisseure, die einen „Nuschel-Film“ für „künstlerisch“ halten. Warum haut da keiner auf den Tisch? Eine Produktion, in der nur genuschelt wird, wird nicht angekauft. Basta.

Die Verantwortlichen im Fernsehen müssen wieder dienen lernen. Fernsehen ist Dienstleistung. Der Zuschauer ist König. Nicht der Regisseur. Und das Fernsehen hat neben der kulturellen auch eine soziale Aufgabe. So viele ältere Menschen vor dem Fernseher. Sie haben ein Recht darauf zu verstehen, wofür sie bezahlt haben.

Früher – in den Siebzigern und Achtzigern – gab es die legendären Krimiserien von Francis Durbridge. Das waren „Straßenfeger“. Am nächsten Tag dann Diskussionen. In der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz. Glaubt einer, die ganze Nation hätte Abend für Abend bis zur Aufklärung des Verbrechens vor dem Fernseher gesessen, wenn sie nichts verstanden hätte?