Mit Benedikt Bühler steht in der traditionsreichen Rathaus-Apotheke Grötzingen die dritte Generation bereit. Der Pharmazeut setzt auf konsequente Digitalisierung und sieht die Apotheke als Gesundheitszentrum, in dem die Prävention und die vollumfängliche Gesundheitsversorgung im Vordergrund steht.
Die Rathaus-Apotheke Grötzingen ist in dem badischen Malerdorf, das zugleich der ländlichste Stadtteil von Karlsruhe ist, eine Institution. 1969 gründeten die Eltern der heutigen Inhaberin Astrid Bühler die Apotheke, die mittlerweile als einzige Apotheke am Ort die rund 10.000 Einwohner versorgt. „Wir sind erster Ansprechpartner für Gesundheitsfragen und haben dadurch eine Verpflichtung“, nennt es Benedikt Bühler.
Im Übergabeprozess stellt er die Weichen für die Zukunft. So ist er Initiator eines neuen Gesundheitszentrums am Bahnhof mit Arztpraxen, Gesundheitsdienstleistern und Apotheke. Grötzingen sei aktuell noch gut mit Ärzten ausgestattet, so Bühler, doch es sei absehbar, wann sich einige aus Altergründen zurückziehen werden. „Wir stehen vor großen demografischen Herausforderungen, auf die wir mit einem patientenorientierten Zentrum reagieren, in dem die Prävention im Vordergrund steht.“
Darmsprechstunde und Zellcheck
Schon jetzt ist die Rathaus-Apotheke Vorreiterin in der Gesundheitsvorsorge. Dazu gehören die Darmsprechstunde ebenso wie der Zellcheck mithilfe einer Spektralanalyse, bei dem am Ende eine individuelle Nahrungsergänzungsempfehlung steht. Beide Angebote werden gut angenommen, so Bühler. Das zeigt den Bedarf und die sich daraus ergebenen Möglichkeiten. Auch deshalb ist er ein großer Fan der pharmazeutischen Dienstleistungen und kann sich im Bereich der Telemedizin noch viel mehr vorstellen. Sein Vorbild ist die Schweiz, wo an Apotheken bereits „Mini-Kliniken“ angegliedert sind. „Wir haben in Deutschland 17.000 Apotheken mit vollausgestatteten Laboren. Natürlich können wir Blut abnehmen, entsprechende Untersuchungen durchführen und so direkt mit einem zugeschalteten Arzt zusammenarbeiten“, betont der approbierte Pharmazeut, der auch Vorsitzender des Verbands innovativer Apotheken e.V. (via) ist. „Apotheker können und wollen mehr als die Beratung und Distribution von Arzneimitteln. Wir sind Heilberufler.“
Der Apotheke vor Ort gehört als Versorgungs- und Gesundheitszentrum die Zukunft, davon ist Benedikt Bühler überzeugt. „Wir befinden uns in einer Umbruchsituation, haben aber auch die Chance mitzugestalten, indem wir jetzt dafür sorgen, die Unverzichtbarkeit zu zementieren.“
Zwischen Wohlfühlen und Prävention
In der Rathaus-Apotheke geschieht dies nicht nur durch neue Gesundheitsangebote, sondern auch durch Service. Die Apotheke hat von montags bis freitags durchgängig von 8 bis 19 Uhr geöffnet, obwohl die Geschäfte ringsum bereits um 18:30 Uhr schließen. Ein 24-Stunden-Automat versorgt diejenigen, für die diese Zeiten nicht passen. Zudem leistet sich die Rathaus-Apotheke bewusst ein breites Warenlager, um Patientinnen und Patienten das benötigte Medikament direkt aushändigen zu können. Die apothekeneigenen Marken bei Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika sind weitere Alleinstellungsmerkmale der Apotheke, genauso wie das angeschlossene Kosmetikstudio. „Wir wollen alle abholen und bewegen uns ganz bewusst zwischen Wohlfühlen und Prävention“, erklärt Benedikt Bühler.
Die Voraussetzung dafür sind Automatisierung und Digitalisierung. Bereits 2005 setzte das Gründerehepaar als eine der ersten Apotheken in Karlsruhe auf einen Lagerroboter. Astrid Bühler investierte nach der Übernahme in einen zweiten Automaten und führte eine digitale Sichtwahl und Online-Vorbestellmöglichkeiten ein. Ihr Sohn treibt die Digitalisierung weiter voran. Einerseits, um mit digitalisierten Prozessen die Kosten und Aufwände der Apotheke zu senken, andererseits um Kunden per App zu binden.
Apothekeneigene App
Die Rathaus-Apotheke Grötzingen ist über IhreApotheken.de, aber auch über die eigene App erreichbar. „Die App ist eine super Ergänzung zur Apotheke vor Ort“, schwärmt Bühler. Zwar kämen die meisten Patientinnen und Patienten noch immer mit ihrer Gesundheitskarte persönlich vorbei und nutzten statt des Botendienstes den Abholautomaten, „aber wir haben immer Patienten, die die App zur Vorbestellung sehr praktisch finden.“
Jeder, der über die App ein Medikament bestellt, erhält sofort eine Rückmeldung. Dafür hat der Apotheker einen Kuckuck-Ton eingerichtet. Spätestens, wenn der Kuckuck ein zweites Mal ruft, muss reagiert werden. Bei den Kunden kommt das sehr gut an. Das Potenzial der Apotheken-App sieht er deshalb noch längst nicht ausgeschöpft. „Der Versandhandel ist natürlich eine große Herausforderung für uns Apotheker, aber ich sehe das auch als Inspiration“, so Bühler. Auch deshalb setzt er auf noch mehr Interaktion, um deutlich zu machen: „Die beste Art der Versorgung ist die inhabergeführte Apotheke.“
