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Zurück ins Mittelalter

Das Jahr 2025 war kein gutes Jahr für das Gesundheitswesen. Nicht für die Krankenhäuser, deren Finanzierungsprobleme ungelöst blieben. Nicht für die Patienten, die wegen weiterhin gravierender Lieferengpässe oft die verschriebenen Medikamente nicht erhalten konnten. Nicht für die patientennahe Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Denn wieder mussten mehr als fünfhundert Apotheken überall im Land schließen. Lediglich die von Ex-Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) durchgesetzte Freigabe von Cannabis ließ Geschäfte blühen. Auch wenn es sich nur um Sumpfblüten handelt.

578 Apotheken im Jahr 2024 geschlossen. 502 im Jahre 2025. Bei gerade einmal 110 Neugründungen.Apothekensterben pur. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ließ es laufen.Wohl weil Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) keinen Cent in seinem voluminösen Haushalt gefunden hatte, um das Apothekensterben zu beenden. Dass die SPD bei ihren katastrophalen Umfragewerten vor sich hinschlingert, ist zwar verständlich. Doch Sparen zu Lasten von Millionen Patienten im Lande? Die im Nacht- und Notdienst immer längere Wege fahren müssen, um eine Apotheke zu finden? Das macht kein gutes Gefühl. Patienten als Wähler könnten „not amused“ sein.

Und was ist mit der CDU? Warum lässt sie Bundesgesundheitsministerin Nina Warken so im Regen stehen? Das Gesundheitsministerium hat nun einmal die gesetzliche Pflicht, die Handelsspanne für rezeptpflichtige Arzneimittel festzulegen. Davon leben die Apotheken. Die Spanne darf dabei nicht so niedrig sein, dass die Struktur der Arzneimittelversorgung gefährdet wird.  Das ergibt sich aus der verfassungsrechtlich gebotenen Schutzpflicht des Staates für Leib und Leben seiner Bürger. Doch die nimmt er nicht ernst. Die jetzige Handelsspanne ist 22 Jahre alt. Und nie den gestiegenen Kosten angepasst worden. Das wäre so, als müssten die Bürger mit dem Arbeitslohn von 2004 die Lebenshaltungskosten von heute stemmen. Unmöglich.

Diese Verletzung der Schutzpflicht hatte dramatische Folgen. 20 % aller Apotheken – mehr als 4.000 – mussten innerhalb der letzten zwanzig Jahre schließen. Dazu passt eine Meldung der ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Mit 16.601 sei die Zahl der Apotheken auf den Stand von vor fünfzig Jahren abgesackt. Die Versorgungsdichte jetzt also zurück im Mittelalter der Bundesrepublik. Wie geht es weiter? Bald keine Apotheken mehr? Ganz so weit sind wir noch nicht.

Apothekerinnen und Apotheker kämpfen. Sie wissen, dass sie gebraucht werden. In ihrem Dorf, in ihrer Gemeinde, in ihrem Stadtteil. Aber sie sehen auch, dass sie manchmal trotz allen pharmazeutischen Wissens, trotz des erworbenen Vertrauens vieler tausender Patienten und trotz jahrzehntelanger Verwurzelung der Apotheke in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gegen wirtschaftliche Fakten nicht ankommen. Mit roten Zahlen kann man  keine Apotheke führen. Was hilft es da, dass die Apotheker nicht schuld sind? Wer rechnet schon damit, dass der Staat, in dessen öffentlich-rechtliche Obhut sie ihre Apotheke geben, sich vor der gesetzlich gebotenen Finanzierung drückt?

Müssen wir uns deshalb Sorgen um eine dauerhaft flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln machen? Ja, das müssen wir. Auch wenn die Apotheken  eingebunden sind in das staatlich organisierte Gesundheitswesen.Auch wenn sie einen öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrag haben, in dessen Rahmen sie all die vielen, speziell für das Apothekenwesen erlassenen Gesetze, Verordnungen, Kontrollen und Plichten beachten müssen. Wie die Pflicht zur Vorratshaltung, zur Beratung, zur Abgabe von Arzneimitteln, zur Dokumentation, zum Notdienst. Das alles tun und leisten sie. Der Staat tut nichts.

Kann dennoch der Trend – alle zwei Jahre tausend geschlossene Apotheken – noch gestoppt werden? Nicht mit der Politik, zu der nun auch Bundesgesundheitsministerin Warken greift. Der Staat spart am Gesundheitswesen, weil er nirgendwo anders sparen kann. Sagt er. Wirklich nicht? Der  Bundesrechnungshof weiß mehr.Der hat in seinen „Bemerkungen 2025“ der Bundesregierung gerade wieder eine horrende Verschwendung von Steuergeldern auf vielen Gebieten vorgeworfen. Sparen?  Man müsste nur dem Rat dieser Fachleute folgen.

Doch welch ein Glück für die Regierung, dass der Bundesrechnungshof keine Macht zum Handeln hat. So kann Verschwendung und Missmanagement weitergehen. Für Sparbeiträge ist ja das Gesundheitswesen da.